Wer vorzeitig in den Ruhestand gehen will, sollte diese Entscheidung gut überdenken. Denn eine vorzeitige Rente kann sich längst nicht jeder finanziell leisten und Abschläge sollten genau durchgerechnet werden. Viele ältere Berufstätige erwägen schon vorzeitig in Rente zu gehen und können es mitunter kaum abwarten, das Arbeitsleben hinter sich zu lassen. Oft ist ein solcher Schritt aber mit finanziellen Abschlägen verbunden. In der Regel muss bei einem vorzeitigen Ruhestand muss pro vorgezogenen Monat ein Abschlag von 0,3 Prozent in Kauf genommen werden (Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund in Berlin). Ausgleichen lässt sich dies unter Umständen durch zusätzliche Zahlungen.

Die Regelaltersgrenze steigt seit 2012 stufenweise an. Zurzeit liegt sie zwischen 65 Jahren und fünf Monaten und 67 Jahren. Ab 55 Jahren erhält jeder alle drei Jahre eine Rentenauskunft der gesetzlichen Rentenversicherung. Ob der versicherte die Voraussetzung für eine Frührente erfüllt geht aus der Rentenauskunft hervor.

Ab 55 Jahren wird empfohlen, dass sich Interessierte bei ihrem Rentenversicherungsträger melden, der individuell die voraussichtliche Höhe der Rente errechnet. Außerdem steht die Informationen zur Verfügung, wie hoch die Altersgeld-Minderung aufgrund des vorzeitigen Rentenbeginns genau ausfällt und wie hoch der Beitrag ist, der zum Ausgleich freiwillig eingezahlt werden darf.

Interessierte sollten vorab klären, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang sich eine zusätzliche Zahlung von Beiträgen lohnt. Dazu kann jeder ein individuelles Beratungsgespräch mit seinem Rentenversicherungsträger vereinbaren. Das Gespräch sollte etwa fünf Jahre vor dem geplanten vorzeitigen Ruhestand stattfinden.

Generell gilt bei der vorzeitigen Rente: Wer eine Mindestversicherungszeit von 35 Jahren erfüllt, kann im Alter von 63 Jahren in den Ruhestand gehen. Dann muss man mit Abschlägen rechnen. Deren Höhe ist abhängig vom Geburtsjahrgang. Den Geburtsjahrgang 1952 kostet die Rente mit 63 einen Abschlag von 9 Prozent, der Geburtsjahrgang 1963 hat einen Abschlag von 13,8 Prozent. Denn für jeden vorgezogenen Monat vor dem regulären Rentenbeginn werden pro Monat 0,3 Prozent der Rente abgezogen.

Strebt jemand eine vorzeitige Rente ohne Abschläge an, muss er 45 Versicherungsjahre vorweisen. Personen, die vor 1953 geboren wurden, können dann mit 63 Jahren ansich abschlagsfrei in Rente gehen.

Achtung: Einschränkungen bei der “Rente mit 63” sind rechtmäßig. Das Landessozialgericht (LSG) Baden-Württemberg hat Einschränkungen bei der “Rente mit 63” grundsätzlich für rechtmäßig befunden. Zeiten der Arbeitslosigkeit in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn werden danach im Regelfall nicht auf die notwendigen Versicherungszeiten von 45 Jahren angerechnet.

Geklagt hatte ein 1951 geborener Versicherter, der aus gesundheitlichen Gründen sein Arbeitsverhältnis mit Aufhebungsvertrag im Alter von sechzig Jahren beendet hatte und dafür eine Abfindung in Höhe von 45 TSD Euro erhalten hatte. Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bezog der Mann zwei Jahre Arbeitslosengeld. Ein halbes Jahr später darauf beantragte er die von der Großen Koalition eingeführte “Rente mit 63”.

Die Deutsche Rentenversicherung lehnte dies ab, da keine 45 Versicherungsjahre vorliegen würden, denn es fehlten 15 Monate. Das Landessozialgericht gab der Rentenversicherung Recht: Der Gesetzgeber habe den ihm zustehenden Gestaltungsspielraum nicht verletzt. Die Erwägung, Fehlanreize in Richtung Frühverrentung zu vermeiden, sei nachvollziehbar; aus der “Rente mit 63” soll keine “Rente mit 61” zu Lasten der Sozialversicherung werden. Zur Vermeidung von Härtefällen gibt es eine Ausnahmeregelung, wodurch die Interessen der Versicherten ausreichend geschützt werden.

Wegen der grundsätzlichen Bedeutung und Wichtigkeit hat das Landessozialgericht in der Rechtssache die Revision zum Bundessozialgericht zugelassen.